Hochzeit auf der Baustelle
Letztes Wochenende waren mein Freund und ich bei guten Bekannten eingeladen. Micha und Anke hatten die Woche zuvor heimlich, still und leise und ganz allein an der Nordsee geheiratet. Das Standesamt war uralt und ganz stilvoll gewesen und beide vertraten die Meinung, dass sie nur für sich und nicht der Gäste wegen heirateten. Trotzdem wollten sie nun Freunde und Bekannte bei einer kleinen Feier bei sich zu Hause an ihrem gemeinsamen Glück teilhaben lassen. Da die beiden gute zwei Stunden von uns entfernt wohnen, richteten wir uns darauf ein, die Nacht bei ihnen zu verbringen. Allerdings hatte ich wohl irgendwie verdrängt, dass ihr gemeinsames Heim noch eine totale Baustelle war.
Die Party fand unter frei hängenden Glühbirnen und auf dem nackten Estrichboden in der zukünftigen Küche statt. Das Essen, also Soljanka und belegte Brötchen, wurde auf Plastikgeschirr serviert und den Sekt gab es aus Pappbechern. Im Wohnzimmer lagerten Zementsäcke und Werkzeug, das Badezimmer beinhaltete gerade einmal die Toilettenschüssel und im sogenannten Schlafzimmer lagen zwei Matratzen auf dem Überrest eines Bettgestells, umzingelt von gestapelten Kisten voller Krimskrams. Denn umgezogen waren Anke und Micha schon!
Ich dachte nur: Oh Gott, wo sollen wir hier denn schlafen? Meine gute Laune drohte gerade zu kippen und dann kam die Überraschung: Man hatte für uns einen Wohnwagen herangebracht, supergemütlich mit komfortabler Innenausstattung und einer Liegefläche bestehend aus mehreren kuschligen Matratzen. Mein Schatz und ich kuschelten uns hier gemütlich zusammen und lauschten dem Wind. Dabei schaukelte der Wagen sanft hin und her.
Wir schliefen fast 12 Stunden im Camperglück, während der Nachtregen beruhigend auf das Dach prasselte. Am späten Morgen jedoch kitzelten uns Sonnenstrahlen durch die hübschen blau-gelb gestreiften Plissees an den Wohnwagenfenstern wach. Wir denken jetzt ernsthaft über einen längeren Urlaub mit einem Wohnmobil nach. Vielleicht sollten wir nach Frankreich fahren? Einmal die Atlantikküste entlang und dann durch den Süden... Denn so eine fahrbare Matratze ist doch echt was Schönes!